Suche
  • Eva Jenisch

Was können wir von "Clear the Sky" für das Krisenmanagement lernen?


Letzte Woche gab es einen "Clear the Sky"-Vorfall, der die ganze Schweiz betraf. Es stellte sich heraus, dass ein Bauteil im Flugsicherungssystem defekt war und das Back-up nicht richtig funktionierte. Letztendlich wurde das Problem behoben und es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für Passagiere und die Bevölkerung.


Welche Lehren können wir aus dieser Situation für das Krisenmanagement ziehen? Welche Elemente dieses Krisenmanagementprozesses gelten auch für andere Organisationen? Was sind kritische Faktoren, und wie können wir uns am besten auf Notfälle vorbereiten?


Was waren nun die konkreten Schritte, die während dieses Vorfalls unternommen wurden? Diese Schritte können auch als Modell für andere Organisationen bei der Vorbereitung und Bewältigung von Krisen dienen:


⏰ In den frühen Morgenstunden kam es zu einem Systemalarm, und der Verantwortliche konnte direkt auf die vorbereitete Checkliste zugreifen und systematisch alle relevanten Punkte überprüfen. Die Aufsichtsperson stufte die Situation als bedrohlich ein und alarmierte den Krisenstab.


⏰ Der Krisenstab traf sich und entschied sich aufgrund der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen für das Extremszenario "Clear the Sky", d.h. der Schweizer Luftraum wurde für den Flugverkehr gesperrt. Dies konnte so schnell geschehen, weil die Krise bereits in Form von Szenarien mit den entsprechenden Prozessen antizipiert worden war.


⏰ Die Prioritäten waren klar definiert. In der Luftfahrt ist es selbstverständlich, dass die Sicherheit an erster Stelle steht. Alle anderen Aspekte, wie Pünktlichkeit oder Effizienz, müssen hinter der Sicherheit zurückstehen. Jeder weiß das und jeder handelt danach.


⏰ Als die ersten Überseeflüge die Schweiz erreichten, wurden sie bereits auf ausländische Flughäfen umgeleitet. In der Zwischenzeit bewertete der Krisenstab die Lage alle 30 Minuten neu, um adäquat und sofort reagieren zu können. Im Krisenstab sind alle wichtigen Bereiche vertreten, damit alle wichtigen Aspekte bei der Lagebeurteilung berücksichtigt werden können.


⏰ Bereits 3,5 Stunden nach der ersten Warnung konnte das technische Problem behoben werden. Doch erst nach einer weiteren halbstündigen Stabilisierungsphase stand fest, dass alles zuverlässig und fehlerfrei funktionierte. Sicherheit geht vor.


⏰ Schließlich wurden die Systeme wieder hochgefahren und mit dem komplexen Abbau der zahlreichen Verzögerungen und Umleitungen begonnen. 6,5 Stunden nach der ersten Warnung hatte sich der Betrieb wieder normalisiert. Mit anderen Worten: Nach der akuten Krisenphase muss eine Phase des kontrollierten Übergangs (Recovery) zum Normalbetrieb folgen.


Zusammengefasst gibt es mehrere wichtige Elemente, die es den Verantwortlichen ermöglichten, diese kritische Situation ohne gefährliche Zwischenfälle zu bewältigen: rigorose Vorbereitung, klare Prioritäten, klare Abläufe und ein engagierter Krisenstab. Diese Vorgehensweisen müssen im Vorfeld gut geübt werden, damit sie in einer Hochstress-Situation reibungslos funktionieren.


Ich empfehle daher jeder Organisation, sich frühzeitig Gedanken über Szenarien und die zu ergreifenden Maßnahmen zu machen. Die Vorbereitung auf Notfälle erfordert drei Schritte:


📋 Betriebswirtschaftliche Risikoanalyse (Identifizierung von Risiken, mögliche Szenarien, Bewertung nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere der Folgen)


📋 Festlegung der zu ergreifenden Massnahmen (sowohl Aktivitäten vor dem Ereignis als auch Aktivitäten während des Ereignisses)


📋 Vorbereitung einschließlich Prozessdokumentation, Systemvorbereitung, Information und Schulung.


Dieser Fall aus der Luftüberwachung zeigt, dass im Krisenfall keine Zeit bleibt, um zu diskutieren, wie man vorgehen könnte oder wer vielleicht informiert werden sollte. Dann sind schnelle, gezielte Entscheidungen und rasche Reaktionen erforderlich.


Niemand möchte unvorbereitet in eine Krise geraten. Ist Ihre Organisation darauf vorbereitet?

0 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen